Leseprobe aus "Die zerbrochene Rebe" von Dagmar Tollwerth

© Britta Kummer

 

„Die zerbrochene Rebe“ von Dagmar Tollwerth ist eine Geschichte über eine Liebe, der die Zeit fehlte.

 

Leseprobe:

„Liebste Solange. Ich weiß nicht, wie ich das, was ich Dir angetan habe, wieder gutmachen kann. Es ist so schrecklich und grauenhaft. Ich habe Dein Herz gebrochen. Ich liebe Dich so sehr. Du musst wissen, dass ich es für uns getan habe. Getrieben von dem Gedanken Dir ein besseres Leben zu ermöglichen, habe ich mich darauf eingelassen. Es ist keine Entschuldigung. Das weiß ich. Ich versuche Dir nur zu erklären, warum ich es tat.

Wie alt muss man sein, um richtig oder falsch zu unterscheiden. Ich hätte es besser wissen müssen. Es tut mir furchtbar leid welchen Kummer ich Dir angetan habe. Dass Du es erfährst, war zuletzt keine Überraschung. Es musste so kommen. Nur der Effekt war ziemlich schonungslos. Dein gebrochenes Herz kann ich immer noch fühlen. Oft habe ich versucht Dir alles zu beichten. Nur verließ mich immer der Mut. Außerdem hatte ich große Angst davor, Dich derart zu verletzten.

Insgeheim hatte ich darauf gewartet, dass ich ohne die Comtesse weitermachen könnte. Ich war im Glauben, dass es nur einige Wochen dauern würde und hatte gehofft, dass diese schäbige Affäre dann in Vergessenheit gerät. Es schien mir, als ob ich nicht anders hätte handeln können. Ich war so naiv und dumm. Mir war das Ausmaß nicht bewusst. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich die Comtesse niemals aus meinem Dienst entlassen würde.

Auch nicht, dass ihr die Macht über mich eine große Genugtuung sein würde. Welche Buße kann ich jetzt tun für das, was ich getan habe. Bitte komm zurück zu mir. Ich hasse mich, ich hasse mich. Es war verdammt blödsinnig was ich getan habe. Ich werde ewig in Deiner Schuld stehen. Hätte ich Dich nur niemals angesprochen und Dir so all das Leid erspart. Ich habe Dich aus Deinem Leben gerissen und es anschließend zerstört.

Wie viel glücklicher wärest Du heute, wenn ich nie in Dein Leben getreten wäre. Ich habe Dich nicht verdient. Einfach alles habe ich ruiniert, unsere vollkommene Liebe. Kann ich uns noch retten? Ist unsere Geschichte beendet und müssen wir einfach so getrennt weitergehen?

Nein, meine Liebste. Es kann weitergehen, so wie wir es uns immer gewünscht haben. Wir können noch die sein, die wir erschaffen wollten. Können wir? Wir haben noch eine Zukunft! Steht uns die gemeinsame Zeit, die wir uns beide so ersehnt haben, nicht zu? Habe ich uns um diese Zeit gebracht? Ich will für unsere Liebe kämpfen. So schnell kann ich nicht aufgeben. Bitte komm zu mir zurück. Wir werden uns lieben und unbescholten miteinander leben. Gütiger Himmel. Bitte verzeih mir. Das Kreuz, das ich von nun an tragen muss, ist so schwer. Es erdrückt mich. Nur Du kannst mich befreien. Komm zurück zu mir. Ich warte auf Dich. Ewig Dein Maurice.“

© Dagmar Tollwerth

 

Buchbeschreibung:

Die zerbrochene Rebe - Die Reise eines Mannes, die das Herz berührt. Vor vielen Jahren verliebte sich der damals junge Erntehelfer Maurice in die schöne Solange, Tochter eines Weingutbesitzers. Solange lehnte sich gegen die strengen Regeln ihres Vaters auf und folgte Maurice nach Paris. Viele Jahre später, Maurice ist bereits 85 Jahre, erzählt er diese tragische und gefühlvolle Liebesgeschichte dem jungen David, dem es die Liebe nicht leicht macht, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

 

Buchdaten:

Die zerbrochene Rebe

Dagmar Tollwerth

Broschiert: 136 Seiten

Verlag: Karina-Verlag (27. März 2015)

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-9030-5628-2

Auch als E-Book erhältlich!

 

Über die Autorin:

Dagmar Tollwerth,1976 in Erwitte geboren, wuchs als Tochter einer portugiesischen Mutter und eines deutschen Vaters in Deutschland auf. Sie ist Bilanzbuchhalterin und lebt mit ihrer kleinen Familie im westfälischen Anröchte. Das Schreiben ist für sie eine Liebhaberei, der sie sich in ihrer Freizeit widmet. Ihr Debüt als Lyrikerin hatte sie bereits im Jahr 2013 mit der Haiku-Sammlung „Zeigerloser Weg“. Mit „Henry’s Geschichte“ für die Anthologien-Sammlung „SternenBlick – ein Gedicht für ein Kinderlachen“ und „Die zerbrochene Rebe“ hat sie sich in ein anderes Genre begeben. Dabei verliert sie ihre Leidenschaft für die japanische Gedichtform in künftigen Projekten nicht aus dem Auge. Ihre Erfahrungen im Haiku-Schreiben wird sie im Mai dieses Jahres erstmals als Gast-Dozentin in einem Workshop weitergeben.

Mehr Infos: http://www.karinaverlag.at/products/die-zerbrochene-rebe-von-dagmar-tollwerth/