Leseprobe aus „Imogen: Geheimnis auf Gut Bergen“
© Britta Kummer

 

„Wo kommen sie denn her?’“, fragte Damaris zornig. „Sie haben mich erschreckt.“
„Das tut mir leid. Das wollte ich ganz sicher nicht.“
Der Ausdruck auf seinem Gesicht blieb unverändert.
Er sprang vom Pferd und stand jetzt direkt vor ihr. Damaris hatte ihn nicht ganz so groß in Erinnerung. Er war noch ein Stückchen größer als Clemens. Sie selbst reichte ihm gerade bis zur Schulter.
Gestern Abend war ihr das gar nicht aufgefallen. Aber ihre Tanzschuhe hatten natürlich auch höhere Absätze gehabt als ihre Reitstiefel.
„Und was tun sie hier in der Einsamkeit?“
„Ich mache einen Ausritt“, erwiderte sie trotzig.
„Sie sind geritten, als wäre der Teufel hinter ihnen her. Das nennen sie einen gemütlichen Ausritt?“
Vielleicht war der Teufel hinter mir her, dachte sie.
„Von gemütlich habe ich nichts gesagt“, maulte sie.
„Touché. Einen schönen Platz haben sie sich auf jeden Fall ausgesucht. Oder sind sie zufällig hier gelandet?“
Damaris war sich ganz sicher, dass er sowieso wusste, dass sie einfach hier gestrandet war. Also konnte sie es genauso gut zugeben.
„Also gut. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo ich hier bin oder wie ich hierher gekommen bin. Schon vergessen? Ich bin zum ersten Mal hier.“
„Mmm – da bin ich aber froh, dass ich sie getroffen habe.“
„Ich hätte mich schon zurecht gefunden.“
„Sicher. Nach tagelangem Umherirren im Wald – während der sie sich von Beeren und Insekten ernährt hätten.
„So schlimm wird es schon nicht sein.“
„So schlimm kann es aber sein. Der Wald ist sehr weitläufig. Wenn man sich nicht auskennt, hat man Schwierigkeiten, wieder hinaus zu finden. Oder wollen sie das auch dem Zufall überlassen?“
Damaris stemmte zornig ihre Hände in die Hüften. Sie war keineswegs bereit, sich geschlagen zu geben. Die Angriffslust vom Morgen hatte sie noch nicht wieder völlig verlassen. Und wenn sie in sein Gesicht sah, hatte sie die ganze Zeit das Gefühl, dass er sich über sie lustig machte.
„Na dann soll ich wohl froh sein über den Zufall, der sie auch ausgerechnet hierher geführt hat“, antwortete sie schnippisch.
Er grinste. „Na ja… Reiner Zufall war das eigentlich nicht.“
„Ach nein?“
„Nein. Aber das wissen sie doch sowieso. Ich war selbst auf einem Ausritt und sah sie Richtung Wald galoppieren – als sei der Teufel hinter ihnen her – und bin ihnen gefolgt. Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht, sie hätten sich verletzen können. Sie haben mich gar nicht bemerkt. Sie waren wohl sehr in Gedanken versunken?“
Der spöttische Ausdruck in seinem Gesicht war jetzt verschwunden.
„Ja, das stimmt“, erwiderte Damaris etwas versöhnlicher.
„Kommen sie, setzen wir uns ein wenig unter den Baum“, schlug er vor. Sie nickte. Es war zwar noch etwas kühl in dieser Jahreszeit im Gras, aber das war ihr gleichgültig. Sie hoffte, sie könnten das Gespräch vom Vorabend wieder aufnehmen.
„Und dieser Oliver – ein Fiasko.“ - „Er war nicht eingeladen.“
„Er war aber da! Er hat sie gesehen!“ - „Sie werden sich nicht wieder begegnen.“ - „Dafür werde ich beten.“
 © Rotraud Falke-Held

Buchbeschreibung:
Die junge Adlige Damaris von Seyrich ist glücklich. Sie steht kurz vor der Hochzeit mit Clemens von Bergen. An ihrem 25. Geburtstag gibt Clemens für seine schöne Verlobte ein großes Fest, bei dem er sie offiziell als seine Braut vorstellen will.
Doch Damaris fühlt sich nicht wohl in dem Haus, das schon bald ihr Heim werden soll.
Und irgendetwas scheint man vor ihr zu verheimlichen.
Aber was? Oder bildet sie sich alles nur ein?
Woher kommt dieses ungute Gefühl?
Wieso verhalten sich die Freunde ihrer zukünftigen Familie so sonderbar? Welches Geheimnis hütet die fünfzehnjährige Sarah?
Und was haben deren Eltern zu verbergen?
Immer tiefer gerät Damaris in ihre Suche nach dem Geheimnis und damit in große Gefahr.

Produktinformation:
Taschenbuch: 284 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (28. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3744872572
ISBN-13: 978-3744872577
Auch als E-Book erhältlich!

Mehr über die Autorin unter:
http://www.rotraud-falke-held.de/