Leseprobe aus "Sebastian und seine kunterbunte Welt" von Daggi Geiselmann

© Britta Kummer

 

Alles wird anders in der Schule

Die nächsten Tage und Wochen verliefen reibungslos in der Schule. Die Lektion von Frau Hoffman hatte Wunder bewirkt. Es gab auch morgens kein Geschrei, und über die Tische und Stühle sprang keiner mehr, weil die Lehrerin anwesend war, nachdem die Schulglocke geläutet hatte.

Myriam lernte schnell, das Lesen fiel ihr sehr leicht. Sie half den anderen gern, wenn sie sie darum baten. Sebastian unterhielt sich auch mit seinen Mitschülern, weil sie ihn nicht mehr komischer Kauz nannten, Myriam war seine beste Freundin.

Aber dann geschah etwas, das den Frieden wieder störte. Frau Hoffman wurde krank und es musste eine Vertretung für sie eingestellt werden.

Herr Brummer trat an diesem Morgen ins Klassenzimmer. Er war groß, dunkelhaarig, und hatte einen dicken Bauch. Allein seine tiefe, laute Stimme flößte den Kindern Respekt ein, als er sagte: „Guten Tag – ich bin Herr Brummer und wer bei mir brummt, der bekommt es mit mir zu tun!“

Die Kinder schauten ihn verängstigt an. Auch Sebastian bekam Angst.

„Wir sind Kinder, keine Brummbären“, getraute sich Myriam zu sagen.

„Ich mag keine vorlauten Kinder. Zieh dein Kopftuch aus, wenn du in eine deutsche Schule gehst!“, rief er.

Was dann geschah, hatte Herr Brummer wahrscheinlich nicht erwartet.

Sebastian stand auf. „Wenn Sie keine Kinder mögen, die einer anderen Religion angehören, dann mag ich Sie auch nicht!“, sagte er.

„Ich auch nicht“, riefen nach und nach alle anderen Mitschüler.

„Seid ihr denn alle verrückt geworden, die machen unser Land kaputt!“

Alle Kinder schüttelten den Kopf.

„Komm Myriam, wir gehen jetzt zum Rektor. Wer kommt noch mit?“, fragte Sebastian.

Alle rannten ins Rektorat.

Herr Wegman war sehr erstaunt, als er die aufgebrachte Klasse in seinem Büro vor sich sah, die alle gleichzeitig auf ihn einredeten.

Nun kam auch Herr Brummer hinzu. „Ich habe nur meine Meinung gesagt und kein Kind angegriffen oder geschlagen, wie es zu meiner Schulzeit üblich gewesen war.“

„Ihre Meinung ist in meiner Schule nicht erwünscht Herr Brummer!“, sagte der Schulleiter. Er bat die Kinder, zurück in die Klasse zu gehen, und übernahm die Vertretung, da es Frau Hoffmann schon wieder viel besser ging. Herr Brummer wurde nach Hause geschickt.

Herr Wegman war richtig stolz auf die Kinder, und wie schnell sie gelernt hatten, andere Menschen zu respektieren. Die Erwachsenen brauchten viel länger.

© Daggi Geiselmann

 

Buchbeschreibung:

Als für Sebastian der Ernst des Lebens, die Schule, beginnt, versteht er zuerst die Welt nicht mehr. Seine Mitschüler scheinen alle böse und gemein zu sein.

Doch dann kommt Myriam aus Arabien in die Klasse. Durch sie entdeckt er die Freude an der Schule. Auch ein Junge aus Indien trägt dazu bei, Frau Hoffman, die Lehrerin, bringt die Kinder auf den richtigen Weg.

Manchmal führen die einfachsten Erklärungen, die Kinder für die großen Probleme dieser Welt haben, zum richtigen Ergebnis.

 

Buchdaten:

Sebastian und seine kunterbunte Welt

Daggi Geiselmann

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (8. November 2015)

https://www.amazon.de/Sebastian-seine-kunterbunte-Daggi-Geiselmann/dp/1519186886?ie=UTF8&qid=1465193174&ref_=la_B00HUTJ7RG_1_8&s=books&sr=1-8