Autorin, Malerin und Verlegerin Karin Pfolz im Gespräch mit Britta Kummer

© Britta Kummer

 

Was haben Sie beruflich gemacht, bevor Sie als Verlegerin tätig wurden?

Man soll das leben und arbeiten, was Freude macht. Also habe ich öfter einmal gewechselt. Begonnen habe ich als Touristikerin. Habe die Welt bereist und auch die Ausbildung des Jungvolkes betreut. Asien und USA waren meine Spezialdestinationen. Doch obwohl viele Prominente zu meinen Kunden zählten, war der Beginn der „Internetbuchungen“ für mich das Ende der Branche. Denn Fachwissen interessierte keinen mehr. Alle wollten nur „billig“ reisen. Also habe ich mich beruflich verändert.

Zwei Jahre Abstecher in die Welt der Gesetze folgten. So trieb ich mein Unwesen als Rechtsanwaltsassistentin. Das Recht hat mich immer interessiert. Eine gute Zeit um viel Wissen anzuhäufen.

Aber die Menschen fehlten. Und ich wollte etwas tun, wo die Kinder dabei sein konnten.

Ich war immer begeistert von sehr gesunder Küche und habe ein friulanisches Restaurant eröffnet. Zehn Jahre lang stand ich in der Küche und oft die Gäste auch, um zu wählen, was auf den Teller kommt. Meine Kinder waren einfach da und dadurch fernab vom „Fastfood“. So lernten sie auch „miteinander“, „gemeinsam“ und „Verlässlichkeit“.

Eine kleine Vinothek und edle Lebensmittel begleiteten das Gesamte. Leider passte dieses Konzept zwar den Gästen, aber nicht der EU und ich hatte keine Lust das in eine „Speisenabfertigung“ zu ändern. Also – auf zu neuen Ufern.

Weil man sich immer selbst den Weg ebnet, habe ich dann die Ausbildung beim österreichischen Rechtsanwaltskammertag gemacht. Dies öffnete mir weitere Türen und die weitere Zeit war ich Kanzleileiterin einer Rechtsanwaltskanzlei. Selbstverständlich mit Schwerpunkt Familien- Grund- und Erbrecht.

Mit der Zeit kollidierte aber meine soziale Arbeit mit den Terminen und ein großartiges Buchmanuskript flatterte zu mir. Ich wollte dieses Buch machen und so führte mich der Weg weiter endlich einen eigenen Verlag zu gründen.

Es gibt für mich einfach nicht „das geht nie“, denn gerade das motiviert. Etwas von 0 beginnen und es wachsen zu lassen, das geht. Wenn man mit dem Herzen hinter den Projekten steht.

 

Was macht für Sie als Verlegerin ein gutes Buch aus? Man kann schließlich nicht alle Manuskripte veröffentlichen, die einem angeboten werden.

Wenn ich einen Text lese und bereits bei den ersten Worten wissen will, wie es weitergeht, weil man sofort in der Story lebt. Auch erkennt man, ob einer dass schreibt, was er denkt und fühlt, oder einfach nur Blätter mit Buchstaben füllt. Viele meiner AutorInnen haben mit Kurzgeschichten für die Anthologien begonnen und es kommt vor, dass ich sie dann selbst zum Weiterschreiben motiviere. Ein Buch muss wie das Meer sein. Rund und wellig. Meine Auslese ist sehr streng, kommen doch täglich mehrere Manuskripte zu mir.

 

Ihr Verlag ist noch recht jung, hat aber schon sehr positiv auf sich aufmerksam gemacht. Was wäre noch ein Highlight? Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein Traum sein muss, eins seiner Bücher mal auf der großen Leinwand zu sehen.

Ich habe täglich Highlights. Denn der Erfolg spricht für sich. Der direkte Kontakt mit meinen AutorInnen ist wertvoll und soll bleiben. Mich freut es, dass sich alle gegenseitig unterstützen und nicht „neidig“ auf andere Werke sind. Wenn das so bleibt, dann wird es weiter aufwärts gehen. Klar wäre es witzig, einmal das eigene Buch als Film zu sehen. Aber ich schätze es einfach mehr, dass ich super Mitarbeiter habe, die alle an einem Strang ziehen. Egal wie viel Arbeit das ist. Geld ist kein Erfolg – Erfolg ist Menschlichkeit und Respekt.

 

Sie haben in Ihrem Verlag ein grandioses Projekt auf die Beine gestellt. „Die Flügel Trilogie“, an der 60 Künstler unterschiedlichster Genres beteiligt waren. Jedes Kapitel wurde von einer anderen Person geschrieben. Täglich überarbeitet und zusammengeführt. Zuerst sollte es nur 1 Buch werden. Doch wegen der regen Beteiligung und Begeisterung wurde es eine Trilogie. Das war bestimmt nicht leicht, so viele Menschen unter einen Hut zu bekommen?

Ausschlaggebend für diese Trilogie war es, dass die Internetpiraterie im Bereich E-Book und Musik so explodiert. Alles wird geklaut und die Menschen glauben noch, dass es ihr Recht ist, kostenlos künstlerische Werke zu nutzen. Mein Ziel war es zu beweisen, dass wir Künstler unmögliches machen können und selbstverständlich das Recht haben, für unsere Arbeit bezahlt zu werden.

Zuerst dachte ich, dass es eine ziemlich verrückte Idee ist und nur wenige mitmachen. Dass es dann 60 wurden, war schon ein Erlebnis. Diese dann zu motivieren, war aufgrund der Eigendynamik eine schöne Sache. Und da bei mir alle AutorInnen zusammenhalten und wirklich „gemeinsam“ arbeiten, ist das Projekt auch mehr als gelungen.

 

Neben Ihrem Beruf sind Sie Mutter und unterstützen sehr viele Projekte für den guten Zweck. Woher nehmen Sie diese Energie?

Meine Kinder sind traumhaft und arbeiten teilweise bereits mit. Und seit zwei Jahren habe ich gelernt, was Leben ist. Ich habe also meinen kleinen geheimen Energieplatz.

 

Was lesen Sie privat für Bücher? Gibt es da ein spezielles Genre?

Ich selbst befasse mich mit Politik, Umwelt, Psychologie, Dokumentationen usw. Also eher schwierige Literatur. Aber auch die alten Meister der Feder sind mir lieb. Es liegt mir, wenn Gelesenes auch das Wissen erweitert.

 

Auch als Malerin haben Sie sich in und um Wien schon einen Namen gemacht. Ist das Malen für Sie eine Art der Entspannung?

Es ist ein Abtauchen. Man kippt richtig in das Werk, bis es vollendet ist. Schöne Augenblicke zeichne ich einfach gerne. Das ist wir das Abspeichern von Augenblicken.

 

Was habe Sie für Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Nur, dass mein Glücklichsein bleibt. Ich hab einfach zu lange darauf gewartet, um es zu verlieren. Und ohne kann ich nicht arbeiten. Kraft kommt von der Seele.

 

Danke für das Interview!

 

Mehr über Karin Pfolz erfahren Sie unter:

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